...zum Sortenretter geworden?

Vielleicht hast du schon einmal von einem Tortenretter gehört? Diese dünne Unterlage ist ein Backutensil und kann schon mal die Stimmung an der Kaffeetafel retten. Mit ihm wird nämlich der festgebackene Kuchen vom Backblech gelöst und auf einen Teller transportiert.

Sortenretter wiederum heben an ganz anderer Stelle die Stimmung. Sie setzen sich dafür ein, dass die Vielfalt unserer heimischen Obst- und Gemüsesorten erhalten bleibt. Bei der konventionellen, landwirtschaftlichen Produktion kommt es ja bekanntlich vorwiegend auf Masse, Standard und Vereinheitlichung an. Aus diesem Grund wimmelt es in unseren Supermärkten nicht gerade vor Sortenvielfalt.

Sortenretter hingegen legen Wert auf ganz andere Dinge: Ihnen geht es um Geschmacksvielfalt, um die Bewahrung unseres Natur- und Kulturerbes, um die Souveränität unserer (Konsum-) Entscheidungen. Es gibt professionelle Sortenretter, die systematisch die alten Pflanzensorten und Nutztierrassen aus der Versenkung hervorholen und neue anbauen oder züchten. Und es gibt viele Hobbygärtner, die das Einerlei in den Obst-, Gemüse- und Fleischauslagen satt haben. Beide haben vor allem eins im Sinn: Sie wollen es wieder selbst in die Hand nehmen, was angepflanzt wird, wollen Vielfalt, Geschmack und Qualität zurück auf den Teller bringen.

Mitmachen kann jeder. Eine Obstsorte zu erhalten ist zwar platzeinnehmend, aber relativ einfach – ist ein Apfelbaum erst einmal gepflanzt, dann steht er auch für eine Weile. Gemüsesorten anzupflanzen ist da schon etwas zeitaufwändiger, da die einjährigen Pflanzen jedes Jahr von Neuem ausgesät werden müssen. Jedoch finden sich für Kräuter und Gemüse schnell und überall passende Plätzchen: in kleinen Gärten, Hochbeeten, auf dem Balkon, in Blumenkästen, recycelten Flaschen oder alten Säcken, in Holzkisten und und und ...

Wer seinen grünen Daumen auf die Probe stellen und zum Sortenretter werden möchte, findet samenfestes Saatgut alter Sorten bei verschiedenen Bio-Anbietern. Zu ihnen gehören beispielsweise „Bingenheimer“ oder „Dreschflegel“, der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN). Es gibt inzwischen auch eine Vielzahl von Saatgut-Festivals und Tauschbörsen. Denn viele Sortenretter belassen es nicht beim einmaligen Anbau. Sie bauen ihr Gemüse an, lassen es sich schmecken und vermehren ihr Saatgut, indem sie die Pflanzen blühen lassen, ihre Samen sammeln, für die nächste Saison trocknen und was übrig ist Gleichgesinnten anbieten.

Übrigens: Bei so manchem Sortenretter kommt dann vielleicht auch der Tortenretter zum Einsatz. Dann nämlich, wenn es herrlich nach frisch gebackenem Apple oder Rhabarber Crumble, lila Möhrenkuchen mit Zitronen-Topping oder Vogelbeer-Mohntorte duftet …